SIMULATOR [SIC!]NESS

26.11.2021 – 09.01.2022

Emma Adler, geboren in Besch, ist die 40. Stipendiatin der ZF Kunststiftung. Sie hat in Saarbrücken und Berlin Freie Kunst studiert. Adlers Arbeiten waren in zahlreichen nationalen und internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten, u.a. im Arp Museum, Rolandseck, im Neuen Kunstverein Gießen, der Kunsthalle Bremerhaven, dem Kunsthaus Dahlem, in Kopenhagen und in New York, wo sie 2017 als Artist in Residence ein halbes Jahr verbrachte. Im gleichen Jahr erhielt sie das Bernhard-Heiliger-Stipendium.
In ihren Projekten, die um den Themenkomplex "Fake" kreisen, hinterfragt Emma Adler Sehgewohnheiten und damit verbundene vermeintliche Gewissheiten. Seit 2017 liegt der Fokus ihrer raumgreifenden, multimedialen Installationen auf Verschwörungstheorien und damit verbundenen Fragen nach verschiedenen Realitätsebenen und subjektiven Wahrheiten.

SIMULATOR [SIC!]NESS, entstanden im Rahmen des Stipendiums der ZF Stiftung, beleuchtet Merkmale und Mechanismen konspirationistischer Konzepte, die als Teil eines heutigen vermeintlichen postfaktischen Zeitalters zwischen Pandemie und Populismus rangieren, und reflektiert so die Rezeption medialer Repräsentationen. Der Ausstellungstitel ist ein Hybrid des Begriffs Simulator Sickness, (bezeichnet das Gefühl der Übelkeit, das durch eine Irritation der Sinnesorgane zustande kommen kann), übersetzt: „Übelkeit durch (Vor)täuschung“, und der Bezeichnung eines Zitiervorgangs, der einen im Zitat wiedergegebenen Fehler deklariert: [Sic!].

Auszug aus dem Ausstellungstext von Laura Helena Wurth:
„ (…) Wir befinden uns in einer Zeit, die der Philosoph Jean Baudrillard bereits in den 1980er Jahren unter anderem als “The Desert of the Real” bezeichnet hat. Bilder, Zeichen und Symbole haben übernommen. Adler hat diese Geröllwüste dessen, was noch übrig geblieben ist, von uns als physischen Wesen, in ihre Ausstellung übertragen. Dort liegen Gesteinsbrocken herum und man weiß nicht, ob sie aus Pappmaschee sind oder man sich den Zeh tatsächlich anstoßen würde. Grünes Licht legt sich über die Szenerie und die Frage nach dem, was Realität eigentlich bedeuten soll, verzieht sich. Der eigens angefertigte Gaming Chair, eine Kopie der Kopie, schimmert in grünem Autolack im Licht, als wäre er selbst ein Alien. Es ist eine Ästhetik, die sich aus dem Virtuellen kommend immer mehr in das, was wir als real wahrnehmen, einfräst. Eine Videospielästhetik, der man sich kaum entziehen kann. Es flackert, es rauscht und ist unbeständig. Denn trotz aller Eindeutigkeit, die einem die Internet-Prediger anbieten, ist es eben nie einfach. Jede Information im Digitalen könnte auch im Glitch – einer Fehlinformation im Bild – enden. Die fleischfarbenen Steppjacken die sich kaum merklich bewegen und die heute im Stadtbild keiner durchschnittlichen deutschen Stadt mehr fehlen, zeigen, wie dünn die Schicht der Zivilisation ist und wie leicht sie durchbrochen werden kann. Die wabernde Masse, die sie gemeinsam ergeben, wenn sie sich fast im Rhythmus eines Herzschlags bewegen, umweht ein leichter Schrecken. (…)“

Die Ausstellungseröffnung findet am 25.11.2021 um 19:00 Uhr im Zeppelin Museum Friedrichshafen statt. Es gelten die 2G+ Regeln.

Die multimediale Installation wurde für den Ausstellungsraum entwickelt und ist dort vom 26.11.21 bis zum 09.01.22 zu sehen

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