Beyond States
Über die Grenzen von Staatlichkeit

04.12.2020 – 11.04.2021

Ist der Staat Schutzraum oder Gefahrenzone? Hamsterkäufe im Supermarkt, Notfalllisten, Katastrophenschutz und Pandemiepläne: Das „Preppen“ ist zurzeit aktueller denn je, gleichzeitig wird die Schutzfunktion des Staates und damit auch die Thematik der Staatsgrenzen diskutiert. Einige Grenzen sind offen und passierbar, andere umstritten, viele strengstens bewacht.

Der durch das Fliegen ermöglichte Blick von oben relativiert Grenzen und reflektiert damit die Konzepte von Staatsgebieten und Grenzen. Neben der veränderten Perspektive müssen Staaten nach wie vor mit einigen Herausforderungen umgehen: Wem gehört der Himmel und wie hoch reicht ein Staat? Der Luftraum kann sowohl öffentlicher Raum, der grenzüberschreitende Kommunikation und Mobilität möglich macht, als auch nationalstaatlich und supranational regulierte Sphäre oder Kriegsschauplatz sein.

Die Ausstellung „Beyond States. Über die Grenzen von Staatlichkeit“ im Zeppelin Museum widmet sich diesen gegenläufigen Entwicklungen und fragt anhand der drei konstituierenden Merkmale – Staatsgebiet, Staatsbürgerschaft und Staatsgewalt – nach der aktuellen und zukünftigen Bedeutung des Staates. Sie wirft aber gleichzeitig auch den Blick bis in das 19. Jahrhundert zurück und ergänzt die künstlerischen Positionen mit Exponaten, die Grenzen, Staatlichkeit und damit verbundene Propaganda in der Luftfahrt thematisieren.

In der Installation prepared, 2019 untersucht das Künstler*innen-Duo Vera Drebusch und Florian Egermann die Prepper-Szene. Das Verhalten von Preppern beruht auf einem Misstrauen gegenüber dem Staat, der scheinbar nicht mehr in der Lage ist, seiner Schutzfunktion nachzukommen. Im extremen Fall bereiten sich Menschen dabei nicht nur auf das Ende unserer Staatsform vor, sondern versuchen es auch aktiv herbeizuführen.

In der Videoarbeit von Jacob Hurwitz-Goodman & Daniel Keller The Seasteaders, 2018 wird eine libertäre Gruppe mit Geldern aus dem Silicon Valley unterstützt, die das Ziel haben, eine politisch autonome Gesellschaft auf einer schwimmenden Insel im Pazifischen Ozean aufzubauen. Die Ideen und die Ablehnung von Staaten als Steuereintreiber und Innovationsbremse werden in dem Film thematisiert.

Gezeigt wird die interdisziplinäre Ausstellung im Zeppelin Museum am Bodensee. Ein besonderer Ort, auf den die Ausstellung in mehrfacher Hinsicht Bezug nimmt. Der Bodensee war lange völkerrechtliches Niemandsland. Deutschland, Österreich und Schweiz haben sich nur teilweise auf rechtsverbindliche Grenzen festgelegt. Seit 1648 sind die Staatsgrenzen nicht klar geregelt, der Obersee gilt als gemeinschaftliches Eigentum. Dieses Phänomen nimmt Nevin Aladağ in ihrer Videoarbeit Border Sampling, 2011 zum Anlass, an der tiefsten Stelle des Sees Wasserproben zu entnehmen. An einer Staatsgrenze agierend, die politisch nicht eindeutig definiert ist, reflektiert die Künstlerin Fragen von Staatssouveränität. Hier verschwimmen die Grenzen der Staaten.

Kurator*innen: Ina Neddermeyer, Leiterin der Abteilung Kunst im Zeppelin Museum, Jürgen Bleibler, Leiter und Felix Banzhaf, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Zeppelin im Zeppelin Museum.

Eingeladene Künstler*innen: Nevin AladağSimon Denny, Vera Drebusch & Florian Egermann, Forensic Oceanography, Jacob Hurwitz-Goodman & Daniel Keller, Peng Kollektiv!, Christopher Kulendran Thomas, Henrike Naumann, Jonas Staal

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