Archaeology of Sacrifice
Ignacio Acosta

18.09.2020 – 06.12.2020

Vom 18.9. bis 6.12.2020 zeigt die ZF Kunststiftung die Zwei-Kanal-Videoinstallation Archaeology of Sacrifice des chilenischen Künstlers Ignacio Acosta im Zepplab des Zeppelin Museum Friedrichshafen.

Der chilenische Künstler und Forscher Ignacio Acosta ist der 39. Stipendiat der ZF Kunststiftung.

Im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit steht die intensive Auseinandersetzung mit der wachsenden Bedrohung von wertvollen, natürlichen Lebensräumen, aber auch von Tradition und kulturellem Erbe durch den exzessiven Abbau von Bodenschätzen. Mittels Fotografie und Film erforscht Acosta dabei Orte, die, wie er sagt, „durch die Ausbeutung der Ökologie, durch koloniale Eingriffe oder intensive Kapitalisierung verwundbar geworden sind.“ Ein besonderes Interesse gilt dabei Orten aber auch Materialien mit symbolischer Bedeutung.

Die Zwei-Kanal-Videoinstallation Archaeology of Sacrifice ist im Rahmen des Stipendiums der ZF Kunststiftung entstanden und wird vom 18. September bis 6. Dezember 2020 erstmals im ZeppLab des Zeppelin Museums Friedrichshafen gezeigt.

Das Projekt ist von der aktuellen globalen Krise geprägt: Im ersten Quartal 2020 war Ignacio Acosta Teilnehmer am Programm Principal de Résidence von La Becque Résidence d’artistes in La-Tour-de-Peilz in der Schweiz. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnte er nicht, wie geplant, im April 2020 nach Friedrichshafen kommen, um das Stipendium der ZF Kunststiftung anzutreten. So sind die Projektidee und auch alle Filmaufnahmen im Frühjahr 2020 am Genfer See entstanden und Archaeology of Sacrifice am Mormont verortet, einem Kalk- und Mergelsteinbruch im Schweizer Kanton Waadt. Bei einer archäologischen Grabung wurden 2006 keltische Siedlungsreste entdeckt, bei der die Archäologen auch menschliche und tierische Überreste, Werkzeuge und Bronzegefäße fanden. Die Artefakte deuten darauf hin, dass sich am Mormont eine weitläufige rituelle Opferstätte der Kelten befunden haben muss. Weitere Befunde lassen vermuten, dass die Kelten eine Krise durchlebten – möglicherweise ausgelöst durch eine Invasion der Germanen Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr. – und mittels der rituellen Opfergaben um göttliche Führung und einen glücklichen Ausgang der Krise baten.

In Archaeology of Sacrifice zeigt Acosta anhand der Ausgrabung einer keltischen, rituellen Opferstätte auf dem Mormont – einem Kalk- und Mergelsteinbruch im Schweizer Kanton Waadt - wie sich die Bedeutung des Ortes als Opferstätte im Laufe der Jahrhunderte grundlegend verändert: vom einst heiligen Ort, an dem archaische Opferrituale um göttlichen Beistand für eine glückliche Zukunft bitten, hin zu einem Ort, an dem Natur und kulturelles Erbe wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fallen. In einem kontinuierlichen Wechselspiel zwischen Fakt und Fiktion konfrontiert Acosta meditative Landschaften mit Dronenaufnahmen des Steinbruchs, historischem Filmmaterial und animierten 3D-Modellen von imaginären Mineralien. Archaeology of Sacrifice reflektiert die prekäre Situation unseres Planeten und dessen unfreiwillige Aneignung durch den Menschen. Inspiriert von der gegenwärtigen Krise, setzt sich das Projekt so auch für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft ein, für den respektvollen Umgang mit natürlichen Lebensräumen und dem menschlichen kulturellen Erbe.

Der Text wurde gemeinsam mit Ellen Lapper entwickelt.  

Die miteinander verwobenen Kunst- und Forschungsprojekte von Acosta umfassen umfangreiche Feldforschung, investigative Analyse, visuelle Dokumentation und kritische Texte. Ein essenzieller Bestandteil seiner Arbeit ist die enge Zusammenarbeit mit Künstlern, Wissenschaftlern, politischen Aktivisten und indigenen Bevölkerungsgruppen. So entstand Archaeology of Sacrifice in Kooperation mit der Redakteurin und Filmemacherin Lara García Reyne, den Künstlern Valle Medina und Benjamin Reynolds (Pa.LaC.E), dem Schriftsteller Carlos Fonseca, dem Sound Designer und Komponisten Udit Duseja und dem Koloristen Paul Wills.

Gemeinsam mit der Kunst- und Designhistorikerin Louise Purbrick und dem Fotografen Xavier Ribas entwickelte Acosta das Forschungsprojekt Traces of Nitrate ( tracesofnitrate.org ), finanziert vom Arts and Humanities Research Council (AHRC - Forschungsrat für Kunst und Geisteswissenschaften). Darüber hinaus ist er Mitglied in den Forschungsgruppen Arte Sur, European Prospects, Ph: The Photography Research Network und Temporal School of Experimental Geography (TSOEG).

Ignacio Acosta war in zahlreichen namhaften internationalen Ausstellungen vertreten, u.a.: Human Nature, Västerbottens Museum, Sweden (2020); Tales from the Crust, Arts Catalyst, London, England (Einzelausstellung 2019); Tierra, CDAN / Centro de Arte y Naturaleza, Huesca, Spain (2019); Drones y Tambores, Museo de la Solidaridad Salvador Allende, Santiago, Chile (Einzelausstellung 2019); Litte ja Goabddá, Ájtte Museum, Jokkmokk, Schweden (Einzelausstellung 2019); Game of Drones, Zeppelin Museum Friedrichshafen, Deutschland (2019); Drone Vision, Hasselblad Centre, Göteborg, Schweden (2018); Mapping Domeyko, Łaźnia Centre for Contemporary Art, Polen (Einzelausstellung 2018); Coquimbo & Swansea, National Waterfront Museum, Swansea, England (Einzelausstellung 2017); Traffiking the Earth, Museo Arte Contemporáneo, MAC, Santiago, Chile (Einzelausstellung 2017).

Der in Chile geborene Künstler wurde mit bedeutenden internationalen Stipendien und Preisen ausgezeichnet: 2017 erhielt er im Rahmen des von Dr. Sarah Tuck geleiteten Projektes Drone Vision an der Valand Academy Göteborg gleich zwei Auszeichnungen der schwedischen Hasselblad Foundation: den Drone Vision Project Realisation Award für Projektumsetzung sowie den Drone Vision Research and Development Award für Forschung und Entwicklung.

Zudem war Acosta Stipendiat namhafter Institutionen: Dispositivo 2/Plataforma Editable, Chile (2014); LOOK International Festival, England (2015); Łaźnia Centre for Contemporary Art, Polen (2016/17); Serlachius Museums, Finnland (2017/18); Samernas, Schweden (2018); und Cité internationale des arts, Paris, Frankreich (2019). 2020 hatte er gleich zwei Präsenzstipendien erhalten: Ignacio Acosta war Artist in Residence im Programm La Becque Résidence d’artistes in der Schweiz und Stipendiat der ZF Kunststiftung, in Friedrichshafen am Bodensee.

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