DER GAYLORD GLADIATOR
Rarität aus der 1950er Jahren
18. Mai - 04. November 2018

Der Gaylord Gladiator war in vielerlei Hinsicht eine Sensation. Der renommierte Automobildesigner Brook Stevens entwarf für die Millionärssöhne Jim und Ed Gaylord das Auto ihrer Träume, das sie mit Hilfe von Mitarbeitern der Fahrzeuginstandsetzung Friedrichshafen (FIF), einem Zeppelin-Nachfolgebetrieb zusammen entwickelten. Nicht nur das Design des Gaylord Gladiator, sondern auch die Technik des Sportwagens sind in Anbetracht des Baujahrs 1957 spektakulär. Neben Annehmlichkeiten wie elektrisch verstellbaren Sitzen, elektrischen Fensterhebern, Servolenkung, Bremskraftverstärker und Klimaanlage, verfügte der Gaylord Gladiator auch über ein Coupé Dach, welches per Knopfdruck vollständig im Kofferraum versenkt werden konnte. Diese Ausstattungselemente waren zu dieser Zeit absolut einzigartig auf dem internationalen Automarkt.

Trotz des aufwändigen Gesamtkonzepts, der vielen Innovationen und der hohen Qualitätsanforderungen stellte sich der Erfolg einer geplanten Kleinserie von 25 Fahrzeugen bei einem Verkaufspreis von 10.000 US-Dollar pro Sportwagen nie ein. Nur eines von 25 geplanten Fahrzeugen wurde jemals fertiggestellt. Schnell erwies sich der kalkulierte Verkaufspreis als unrealistisch, weitere Preisanpassungen durch weitere Innovationen wie dem Einbau einer Klimaanlage machten das Fahrzeug unerschwinglich. Um wirtschaftlich zu bleiben wurde der Preis zunächst auf 15.000 US-Dollar, dann auf 17.500 US-Dollar nach oben korrigiert. Zum Vergleich: Ein Mercedes 300 SL kostete damals etwa 32.000 DM. Bei einem Kurs von 4,20 DM pro Dollar war der Gaylord Gladiator damit mehr als doppelt so teuer und kostete Mitte der 50-er Jahre umgerechnet etwa 73.500 DM. Als weltweit einzigartiges Fahrzeug ist der Gaylord Gladiator damit nicht nur ein besonderes Unikat der Oldtimerbranche und ein wertvoller Schatz für den Zeppelin Konzern, sondern ein wahres Schmuckstück Friedrichshafener Industriegeschichte. Der Zeppelin Konzern erwarb das Fahrzeug für 800.000 US-Dollar, also rund 658.500 Euro.

Die Reise zurück an den Bodensee

2017 standen in den USA das vollständige Fahrzeug und ein Chassis ohne Karosserie zum Verkauf. Beide sind restauriert und konnten vor einigen Jahren auf dem Concours d‘ Elegance in Pebble Beach, Kalifornien gezeigt werden, was in internationalen Oldtimerkreisen einem Ritterschlag gleichkommt.Mehrere glückliche Umstände führten dazu, dass das wohl einzig noch existente Exemplar, das noch lange im Besitz der Brüder geblieben war und sich in exzellentem, fahrfertigen Zustand befindet, den „Heimweg“ nach Deutschland gefunden hat. Die Zeppelin GmbH, als Nachfolgebetrieb der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, der auch der FIF entsprang, hat das Fahrzeug erworben und stellt es als Leihgabe dem Zeppelin Museum zur Verfügung. Und nicht nur das Fahrzeug selbst, sondern mit ihm ein umfangreiches Konvolut an Ersatzteilen, Dokumenten, Unterlagen bis hin zu allen Konstruktionszeichnungen und sogar noch ein vollständiges Rolling Chassis mit allen relevanten Aggregaten. Das Fahrzeug, das Rolling Chassis und die spannende Historie seiner Entstehung und seiner Geschichte sind in der Ausstellung „Innovationen! Zukunft als Ziel“ im Zeppelin Museum zu sehen. Danach wird er dem Zeppelin Museum als Dauerleihgabe des Zeppelin Konzerns auf unbestimmte Zeit zur Verfügung gestellt.

Innovationen! Zukunft als Ziel
18. Mai – 4. November 2018

Das Zeppelin Museum ist ein Haus, das sich mit den Fragen der Zukunft – damals und heute – befasst. „Innovationen! Zukunft als Ziel“ lautet daher der programmatische Titel der neuen Ausstellung. Sie blickt auf das innovative Potenzial der Unternehmen des von Graf Zeppelin gegründeten Konzerns zurück und wagt zugleich den Blick nach vorn. Innovationen entstehen, wenn aus Ideen marktfähige Produkte werden, die auf breiter Basis wirken und Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Die Ausstellung zeigt auf, was diese Unternehmen richtig gemacht haben, wo Fehler begangen und welche Ideen entwickelt wurden, wenn Restriktionen den eingeschlagenen Weg behinderten. Die Ausstellung blickt aber auch in die Zukunft und macht deutlich, welche Strategien Konzerne aufsetzen, um marktfähig und weltweit erfolgreich zu bleiben