Hermann Pitz
Licht aus Bozen - Werkzeuge aus Düsseldorf
30. Oktober - 08. Februar 2004

Der Teilnehmer an der documenta in den Jahren 1987 und 1992 und den Skulpturen-Projekten Münster 1987 und 1997 wird für das Zeppelin Museum Friedrichshafen ein Projekt entwickeln, in dem er sich mit der Entstehung von Kunst auseinandersetzt. Damit greift Hermann Pitz für seine Ausstellung ein Erklärungsmuster auf, das Grundlage vieler Präsentationen in volkskundlichen oder technischen Museen ist. Die Erklärung des Unbekannten beginnt mit der Erklärung von dessen Herstellung. Aber im Gegensatz z. B. zu einem Gerippeteil in der Luftschiffabteilung des Zeppelin Museums, ist ein Kunstwerk mehr als nur die Summe seiner Teile, weshalb auch die Ausstellung der „Licht aus Bozen - Werkzeuge aus Düsseldorf“ keine Bauanleitung enthalten kann.

Werkzeuge und Geräte sind als die verlängerten Hände des Künstlers zu begreifen. Deshalb beschreibt Pitz auch seine Tätigkeit als „Denken mit den Händen“, was nicht die Kunst auf ihre Handwerklichkeit beschränken soll, sondern – ganz im Gegenteil – die Einheit von Bilderfindung und Bildgestaltung betont. Vor dem Hintergrund einer prozessorientierten Kunstdefinition kommt den Werkzeugen zwar eine bedeutende Rolle zu, auf der anderen Seite aber stellt ihre Präsentation im Sinne eines Archivs mit Nachdruck auch ihre Unbedeutendheit heraus. Zwar kann ihr Material und ihre Beschaffenheit den Ausdruck des Werkes mit beeinflussen, aber weil die sie nicht als Teil einer unabänderlichen Handlungskette präsentiert werden, sondern, präsentiert als selbstreferentielle Körper, verweist ihre Unselbständigkeit auf die Abhängigkeit von der künstlerischen Tätigkeit: Nicht das fertige Kunstwerk steht so im Zentrum der Präsentation, sondern Anfang und Ende des Prozesses, der zu seiner Entstehung führt. Dies wird sich auch im Buch zur Ausstellung widerspiegeln, das Hermann Pitz als integralen Bestandteil der Ausstellung entwirft. Über weite Strecken wird es sich hierbei um einen Katalog im klassischen Sinn handeln, der die präsentierten Dinge auflistet, sie benennt und ihre Geschichte erzählt. So greift Pitz auch auf der Ebene des Buches auf jene, eher aus historischen Museen bekannten Erklärungsschemata zurück.

Nur scheinbar bedient sich Pitz dabei eines in den letzten Jahren immer beliebter gewordenen Ausstellungs-Typus, in dessen Zentrum das Künstleratelier als Exponat steht. Das Atelier als solches bleibt in seinem Konzept aber unzugänglich, bleibt verbotene Zone. Nur die Werkzeuge, denen sich Hermann Pitz – stellvertretend für den Künstler überhaupt – an diesem Ort bedient, werden ins Museum transferiert. Zuvor wird jedoch – als Grundlage für die Erklärungen im den Katalog – jedes Werkzeug photographiert und inventarisiert.

Neben den Werkzeugen wird auch „Kunst“ im herkömmlichen Sinn in der Ausstellung zu sehen sein. Hierbei wird es sich aber bewusst nicht nur um Werke von Hermann Pitz handeln. Für die Ausstellung von Pitz, der sich in seinen Werken ja in vielfältigster Weise mit dem Phänomen Licht im Zusammenhang von wahrnehmungstheoretischen Fragen beschäftigt, wird dem Zeppelin Museum Friedrichshafen die Sammlung von konzeptueller Lichtkunstwerke vom Museion – Museum Moderner Kunst Bozen zur Verfügung gestellt werden. Aus dieser Sammlung, die zu den bedeutenderen ihrer Art zählt, werden in der Ausstellung Arbeiten von Alberto Biasi, Piero Fogliati, François Morrelet, Maurizio Nannucci, Otto Piene und Giorgio Seppi zu sehen sein. Sie alle stehen exemplarisch für das „vollendete Kunstwerk“.

Werkzeuge und Kunstwerke bilden so die beiden Pole jenes Spannungsbogens, zwischen denen sich der künstlerische Prozess definiert und entfaltet. Dieser jedoch entzieht sich in seiner Unsichtbarkeit und Unfassbarkeit jedweder Handwerklichkeit, womit die Unzulänglichkeit rein technischer Erklärungsversuche im Hinblick auf künstlerische Arbeit deutlicht wird.