Davor Ljubičić
Steckt das, wonach du verlangst, nicht schon längst in dir?
10. Oktober - 30. November 2003

Vom 10. Oktober bis zum 30. November 2003 zeigt der in Konstanz lebende Davor Ljubičić im Grenz-Raum des Zeppelin Museum Friedrichshafen seine siebenteilige Installation, in der er sich mit der uns umgebenden alltäglichen Gewalt auseinandersetzt. Dabei hat er bewusst einen Titel gewählt, der mit einem Fragezeichen endet: "Steckt das, wonach du verlangst, nicht schon längst in dir?" Damit ist klar, dass die Ausstellung, keine Antworten liefern will, sondern der Auslöser für die eigene Befragung des Betrachters ist. Die Videoarbeiten, Zeichnungen, Photographien und das überdimensionale Messer konfrontieren ihn unwillkürlich mit Bildern von Tod, Angst und Zerstörung.  
Im Zentrum der Installation steht ein deckenhohes Messer. Aus Stahl geschmiedet und mit einem Holzgriff versehen, steht das fast drei Meter hohe Messer als Metapher nicht nur für die wohl grausamste Tötungsart, sondern auch für Alltäglichkeit und Ernährung. Eine Küche ohne Messer - undenkbar. Gleichzeitig aber lassen sich die Messer-Bilder aus Hitchcocks "Psycho" oder Buñuels "Le chien andalusien" nicht aus unserem Gedächtnis verbannen. Aber diese Assoziationen sind nicht zwingend die einzigen. Die hierin angesprochenen, medial vermittelten Vorbilder spiegeln nur eine Ebene, auf der die Bilder dieser Ausstellung wirken. Die zweite ist die, auf der Bilder die subjektiven Erinnerungen des Betrachters wieder zum Aufscheinen bringen.

Aber Ljubičić begnügt sich bei seiner Arbeit nicht damit, den Betrachter nur in dieser assoziativen Eben in seine Arbeit mit einzubinden. Vielmehr beschreiben für ihn, für Ljubičić, die Assoziationen nur einen ersten Schritt. Im Zentrum seiner Arbeit steht nicht die Evozierung etwaiger, in unserem Gedächtnis gespeicherten Vorbilder, sondern die Frage nach dem letzten Ursprung der Bilder: Natürlich werden die meisten Betrachter die blutigen Hundekampfszenen strikt ablehnen, da aber diese Bilder einer Fernsehdokumentation über derartige Hundekämpfe entnommen wurden, muss auch der Wunsch nach diesen Bildern vorhanden gewesen sein.

Und genau um diese Fragestellung geht es Ljubičić: Spiegelt die uns alltäglich umgebende Gewalt letzten Endes nicht tief verborgene Wünsche wieder, die in den von Ljubičić in seiner Installation wiederverwendeten Bilder, nur ihren Ausdruck finden? Letztendlich muss jeder Betrachter selber entscheiden, ob es sich bei den gezeichneten oder projizierten Bildern nicht doch um ein Spiegelbild der eigenen, inneren Bilder und Wünsche handelt.