Häuser
Nandor Angstenberger, Luis Fernando Peláez
11. Juli - 10. August 2003

Das sprichwörtliche Dach über dem Kopf gehört auch heute noch immer zu den Grundbedürfnissen menschlicher Existenz. Das Haus, welcher Bauart es auch sein möge, steht für Sicherheit, Schutz und Geborgenheit. In der neusten Ausstellung im Grenz-Raum des Zeppelin Museums werden nun zwei Künstler präsentiert, deren jeweilige Vorstellung von Haus auf den ersten Blick kaum gegensätzlicher sein kann. Während der im kolumbianischen Jericó geborene Luis Fernando Peláez (* 1945) seine Häuser aus Zinkblech baut und er ihnen die Gestalt von einsamen stehenden Türmen gibt, lässt der aus Novi-Sad (ehem. Yugoslawien) stammende Nandor Angstenberger (* 1970) ganze Paläste aus Materialien entstehen, die im Normalfall im Abfall landen.  

Für Peláez wird der Begriff des "Hauses" mit einer einfachen wie monumentalen turmartigen Form beschrieben. Das Haus erhebt sich als schlanker, fensterloser Monolith über einer abstrakten, nicht topographisch bestimmbaren Ebene. Stellung und Form der meist einzeln auf je einer Bodenplatte stehenden Häuser erinnert an vorgelagerte Wachtürme oder den allein zurückgebliebenen Burgfried einer zerstörten Burg. In dieser Vereinzelung aber wird das so mächtig und erhaben wirkende Bauwerk wieder schutzlos und verletzbar, wie der Wachturm ohne Burg oder der Burgfried ohne vorgelagerte Befestigungen dem Angriff der Feinde schutzlos ausgeliefert ist.

Der Palast von Angstenberger ist das genaue Gegenteil der geschlossenen, monumentalen Hausform von Peláez. Über einer Grundfläche von rund 3,20 x 1,60 Meter erhebt sich ein fragiles Haus-Gebilde, konstruiert aus Gegenständen des alltäglichen Lebens. Ein Haus, das ganz zu einer einzigen Schmuckform geworden ist. Ein Recycling-Palast, dessen Architektur weniger statischen Vorschriften, sondern vielmehr der Phantasie seines Erbauers verpflichtet ist.


Die Ausstellung wurde realisiert in Zusammenarbeit mit der Galerie Ruta Correa, Freiburg/Br. und der Kolumbianischen Botschaft.