4. Triennale zeitgenössischer Kunst Oberschwaben in Friedrichshafen
Nothing to declare – Nichts zu deklarieren
04. April - 22. Juni 2008

Mit der 4. Triennale zeitgenössischer Kunst Oberschwaben beginnt in Friedrichshafen am 3. April eines der Highlights im Kunstjahr 2008. Unter dem Titel „Nothing to declare – Nichts zu deklarieren“ stellt das schweizerisch-britische Kuratorenteam, Barnaby Drabble, Dorothee Messmer und Sibylle Omlin, die Befindlichkeit der Stadt Friedrichshafen und der Region Bodensee ins Zentrum. Vierzig Kunstschaffende aus dem In- und Ausland untersuchen mit teils für die Ausstellung entstandenen Werken Themen wie Identität, Grenzen und Migration, die für Friedrichshafen und die gesamte Bodenseeregion prägend sind. Roman Signer, Lida Abdul, Thom Barth, Chantal Michel, Kerstin Wagener, Zoë Walker & Neil Bromwich, Nathan Coley und viele mehr zeigen ihre Arbeiten im Zeppelin Museum Friedrichshafen, im Kunstverein Friedrichshafen und im öffentlichen Raum der Stadt. Mit dem Künstlerhaus Thurn & Taxis in Bregenz und dem Kunstraum Kreuzlingen konnten zwei Partner am gegenüberliegenden Seeufer dazu gewonnen werden, die ihre Räume ebenfalls zur Verfügung stellen. So präsentiert sich die Triennale Oberschwaben als Triennale für den ganzen Bodenseeraum.


Nothing to declare – Nichts zu deklarieren
 
So überschreiben die Kuratoren ihr Konzept für die 4. Triennale zeitgenössischer Kunst Oberschwaben, die vom 4. April bis 22. Juni 2008 internationale und regionale Kunst in Friedrichshafen, Bregenz und Kreuzlingen zusammenführt.

Bei jeder Reise mit dem Flugzeug werden wir am Flughafen aufgefordert, uns zu fragen, was wir an Waren zu verzollen haben. Auch am Hafen der Stadt Friedrichshafen empfängt die Besucher, die von der Fähre steigen, als erstes ein Grenzbeamter und ein Zollamt. Obwohl wir heute in einer globalisierten Gesellschaft leben, sind Grenzen gerade in regionalen Gebieten oder im nationalstaatlichen Sinn immer noch vorhanden.

Die Stadt Friedrichshafen, die mit der Entwicklung des Zeppelins und der Bombardierung im zweiten Weltkrieg eine bewegte Geschichte hinter sich hat, wird das Zentrum der Ausstellung sein, die sich mit in dieser Region nahe liegenden Fragen nach Grenzgängen und -überschreitungen, nach Identität, nach Schranken und Durchgängen, nach neuen Perspektiven auf das Vertraute beschäftigt. Grenzen fragen nicht zuletzt auch nach Identitäten. Zu welcher Region, zu welchem Land, zu welcher Stadt fühlt man sich zugehörig? Was macht die Identität einer Stadt, einer Region aus? Wie werden Grenzen zu anderen Regionen oder Kulturräumen gezogen?

Künstler aus der Region und aus dem Ausland leisten vor Ort ihre Beiträge zur Suche nach der Identität der Stadt und ihrer Region. Die Besucherinnen und Besucher, Einheimische wie Gäste, sollen überraschende, neue, vertiefte, bislang verdeckte Sichtweisen auf ihre Heimat gewinnen. Nichts zu deklarieren zu haben, das heißt auch, nichts zu verbergen zu haben.

Die Kuratoren laden rund 40 Künstler aus Oberschwaben, dem Bodenseeraum, aber auch aus dem Ausland ein, ihren Blick auf die Region künstlerisch zu formulieren. So stehen als Teilnehmer unter anderem der in Friedrichhafen geborene, in Tettnang lebende Künstler Thom Barth und der 1965 in Friedrichshafen geborene und in Berlin lebende Martin Dammann fest.

Roman Signer, der ebenfalls aus der Region stammt, präsentiert eine neue Arbeit in einem Bunker aus dem zweiten Weltkrieg und der Thurgauer Ernst Thoma ist mit einer neuen dreiteiligen Landschaftsinstallation vertreten. Tellervo Kalleinen & Oliver Kochta-Kalleinen aus Finnland arbeiten mit einem Klagechor vor Ort neue Lieder ein, das Atelier für Sonderaufgaben stellt ein öffentlich zugängliches „Stadttelefon“ auf und der Israeli Eran Schaerf beschäftigt mit unsichtbaren Kunstwerken. Per Hüttner aus Schweden stellt neue Fotografien aus, die das Thema Internationalität aufgreifen, und die aus Afghanistan stammende Lida Abdul wird ihre weltbekannten Video-Installationen zeigen.

Da die Kuratoren die grenzübergreifende Region ins Zentrum der Ausstellung rücken, haben sie drei „Satelliten“, zwei davon „über dem See“, als Mitstreiter eingeladen: Im Kunstverein Friedrichshafen, im gesamten Palais Thurn & Taxis in Bregenz und im Kunstraum Kreuzlingen finden parallel Ausstellungen statt, die in direktem Zusammenhang zur Triennale und ihrem Motto Nothing to declare – Nichts zu deklarieren stehen.

Außerdem öffnet die Triennale neue Orte für die Kunst: So wird nicht nur das Zeppelin Museum Friedrichshafen zum zentralen Ausstellungs- und Anlaufpunkt. Auch die Schalterhalle der Sparkasse Bodensee, die Uferpromenade und ein „Einmann-Bunker“, können neu erfahren werden.

Index:
Am 12. Dezember 2007 ist das künstlerische Archivprojekt INDEX bereits an die Öffentlichkeit getreten. Die drei Künstler Ulrike Shepherd, Ruediger John und Christof Salzmann haben bereits begonnen, Material zu sammeln, das im Bezug zur historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Situation in Friedrichshafen und der Bodenseeregion steht. INDEX sammelt, wählt aus, sortiert und präsentiert. Subjektives Forschen, Bündeln und auch Assoziieren steht für die drei Künstler im Vordergrund, nicht die historisch-wissenschaftliche Erfassung Friedrichshafener Realitäten. Dazu führen die drei Gespräche unter anderem mit Menschen in der Stadt, die aus ihrer beruflichen oder privaten Perspektive je einen eigenen Blick auf die Stadt und ihre Atmosphäre haben. Sie wollen eine Art Biografie der Stadt und der Region gewinnen, in der sich Ereignisse, Brüche und unterschiedliche Zeitebenen spiegeln. Das Archivprojekt stellt Beziehungen her und bietet eine spielerische Plattform für einen assoziativen öffentlichen Diskurs – auch in Vorträgen und anderen begleitenden Veranstaltungen. Im weiteren Verlauf wird INDEX eine breitere Bevölkerung in die Sammeltätigkeit über die Identität Friedrichshafens einbeziehen.

Rahmenprogramm:
Ein breites Rahmenprogramm begleitet die Triennale. Im Medienhaus k42 geben mitbeteiligte Kunstschaffende Einblick in ihre Arbeit, erzählen von ihren Projekten, zeigen Filme und moderieren Gespräche. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Gespräche und Vorträge von eingeladenen Fachleuten, die sich mit den drei wichtigen Themenfeldern der Triennale – Identität, Migration, Grenzen – auseinandersetzen

Die Triennale zeitgenössischer Kunst Oberschwaben und ihre Bedeutung für den Bodenseeraum:
Die Triennale zeitgenössischer Kunst Oberschwaben wird seit 1998 von unterschiedlichen Städten Oberschwabens ausgerichtet. Bei jeder Triennale handelt es sich um eine professionell kuratierte Ausstellung, die auf einem jeweils neu zu definierenden inhaltlichen Konzept fußt.

Die Friedrichshafener Triennale ist die vierte Ausgabe und setzt sich wegen ihrer besonderen Lage erstmals mit der Identität der Stadt Friedrichshafen und der gesamten Bodenseeregion auseinander. Die Kulturregion Bodensee, die als historisch gewachsener Raum erst im 19. Jahrhundert durch nationalstaatliche Grenzziehungen in drei Regionen geteilt wurde, besitzt gemeinsame kulturelle Werte und Wurzeln, wie beispielsweise die Verankerung der katholischen Religion durch die von St. Gallen und Reichenau aus gesteuerte Mission durch die Klöster und Fürstäbte, das barocke Gepräge der Bauweisen, die Ähnlichkeit der Sprachen, die hügelige, schon fast südlich anmutende voralpine Landschaft zwischen Bregenz, Lindau, Überlingen und Kreuzlingen.

Dieses Erbe soll als gemeinsames erfahrbar gemacht werden. Derzeit existieren im Bodenseeraum mehrere, kaum vernetzte Kulturregionen. An diesem Zustand sind in hohem Maße auch heute immer noch die Grenzen schuld, die es vielfach nur noch in den Köpfen der Menschen gibt. Dies gilt es zu überwinden. Kunst und Kultur eignen sich in ganz besonderem Maße dafür, eine als heterogen empfundene Regionalstruktur aufzubrechen und Identität stiftend zu wirken.

Vor dem Hintergrund einer langen, heute aber vielfach verschütteten Kenntnis über die bedeutungsvolle Geschichte dieses Kulturraumes, soll mit Hilfe der Triennale die Region entsprechend ihrer Geschichte und ihrer zentralen Lage in Europa aufgewertet werden.

Die 4. Triennale Oberschwaben:
Mit der 4. Triennale zeitgenössischer Kunst Oberschwaben laden Kuratoren wie Künstler zur Auseinandersetzung mit der Frage nach der Identität der Stadt, der gesamten Region und ihrer Bewohner ein.

Erstmals ist damit der Blick weiter gefasst und schließt den gesamten Euregioraum mit ein, da mit dem Palais Thurn &Taxis und dem Kunstraum Kreuzlingen auch österreichische und schweizerische Projektpartner für die Ausstellung gefunden werden konnten. Die Verbindungen über den See haben für die Region in vielfacher Hinsicht eine wichtige Bedeutung. Neben Tourismus, Finanzen und Verkehr ist es vor allem die Kultur, die den Menschen eine Plattform für Begegnung, Kommunikation und Grenzabbau gibt.




Eröffnungen:
3. April 2008, 20 Uhr Friedrichshafen Zeppelin Museum Friedrichshafen,
Seestr. 22, 88045 Friedrichshafen, Deutschland
www.zeppelin-museum.de

4. April 2008, 19 Uhr Bregenz Palais Thurn & Taxis,
Gallusstrasse 10, 6900 Bregenz, Österreich
www.kuenstlerhaus-bregenz.at

5. April 2008, 17 Uhr Kreuzlingen kunstraum kreuzlingen, 5
Bodanstrasse, 78280 Kreuzlingen, Schweiz
www.kunstraum-kreuzlingen.ch