Awst & Walther
Die Erde ist blau
31. Oktober - 02. Februar 2014

Off-Space meets Museum III
DIE ERDE IST BLAU

Eröffnung: 31. Januar 2014, 19:00 Uhr im Zeppelin Museum Friedrichshafen

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Off-Space meets Museum“ hat der eingeladene Kurator Heiko Schmid, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Zürcher Hochschule der Künste, ein Projekt erarbeitet, das unter dem Titel „Archäologie der Zukunft“ Kunst und kulturhistorische Perspektiven miteinander verwebt. Neben einer Ausstellung (Eröffnung am 31.01.2014 im Sammlungsbereich) in der das Künstlerduo Awst & Walther seine Arbeit „Die Erde ist blau“ präsentiert, wird ebenfalls am 31.01.2014 ein Buch mit wissenschaftlichen Texten veröffentlicht, das sich als gleichberechtigte Ergänzung und Erweiterung der künstlerischen Intervention versteht.

Ausgangspunkt des Projektes war eine Recherche im Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Was dieses Archiv auszeichnet, sind die zahlreichen dort zu findenden (Bild-) Dokumente, die zeigen, wie enthusiastisch und optimistisch die Menschen des frühen 20. Jahrhunderts für die damalige Zeit revolutionäre Technologien bejahten, und wie sie diese sogar nutzten, um neue Welt- und Zukunftsbilder zu erzeugen. In zahlreichen der im Archiv bewahrten Dokumente äußert sich also eine - inzwischen jedoch eher kritisch beurteilte - Fortschrittsgläubigkeit. Und genau dieser „historische“ Fortschrittsbegriff wird in der Ausstellung in den Blick genommen. So wirft etwa das Berliner Künstlerduo Awst &Walther mit seiner Rauminstallation „Die Erde ist blau“ die Frage auf, welche Zukunftsmodelle unser technisch geprägtes Weltbild kennzeichnen. Indem sie ca. 20 grünleuchtende Notausgangsschilder im Kreis laufend in das ehemalige Grafikkabinett installieren, stellen sie die Nachvollziehbarkeit funktionaler Abstraktionsmodelle in Frage. Sie nutzen die EXIT-Schilder, die im Fall einer Katastrophe den Weg aus der Gefahrenzone hinaus weisen, um installativ eine paradoxe Raumsituation zu produzieren. Es gibt hier keine Wegweisung, die in ein Außen, auf einen jenseits des Innenraums liegenden Ort hindeuten würde. Das Künstlerduo schafft eine Art tragikkomisches Gefängnis, in welchem es jene für unsere technischen Zukunftsvisionen so relevanten Bewegungsvektoren ad absurdum führt. Im Gegensatz zu maschinellen Projektionsmodellen wird die Katastrophe von den Künstlern also keinesfalls als ein strikt auszuschließender Ausnahmefall behandelt, sondern in einer Weise auf jenen notorischen Trugschluss der technischen Beherrschbarkeit aller „Wirklichkeitsvariablen“ verwiesen. Dass die Technik nie zu 100 Prozent beherrschbar sein kann, ist ein Trugschluss, der sich nirgendwo besser nachvollziehen lässt, als in einem Museum, in dem die Luftschifffahrtsgeschichte bewahrt und thematisiert wird. Am Ende all unserer Annäherungen an die Zukunft, so legen die Künstler mit ihrer Installation damit nahe, müssen Ausstiegsszenarien etabliert werden, müssen Vorstellungen entstehen, welche nicht aus gegenwärtigen (technischen) Gegebenheiten abgeleitet wurden, sondern über unsere gängigen Perspektiven hinausweisen.

Die Kunstausstellung flankierend, wird eine (Print on Demand) Publikation präsentiert, in welcher mit Dokumentationen der Installation, Originaldokumenten des Archivs der Luftschiffbau Zeppelin GmbH sowie einer Reihe theoretischer Texte eine historische und inhaltliche Lokalisierung des Ausstellungsthemas vorgenommen wird.


Parallel zur Ausstellung finden im Rahmen des Kulturtreffpunkts am Donnerstagabend zwei Vorträge statt:

  23. 01. 2014 „Der Blick der Drohne – Zum Verhältnis von Kultur und Technik“
Vortrag von Georg Trogemann, Professor an der Kunsthochschule für Medien, Köln

  30. 01. 2014 „Das bewohnte Weltall als literarischer Kommunikationsraum“
Vortrag von Philipp Theisohn, Professor an der Universität Zürich UZH