Schöne neue Welten. Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst

11. November - 08. April 2018

Mit der Einführung von Virtual Reality findet eine Bildrevolution statt, die unsere Wahrnehmung von Bildern und unser Verhältnis zur Wirklichkeit von Grund auf verändert. Virtuelle Räume lassen illusionäre Welten entstehen, durch die man sich bewegen und die man unmittelbar erleben kann. Möglichst abgeschlossen von der Außenwelt tauchen die BetrachterInnen durch interaktive Elemente sowie den Einsatz zusätzlicher Apparaturen in die Bilder ein und werden körperlich involviert.

Massenkompatible Technologien wie VR-Headsets, 3D-Beamer und -Fernseher oder 3D-Cardboards finden sich verstärkt im Alltag wieder. Die unterschiedlichen Anwendungsbereiche, wie die 3D unterstützte Operationsüberwachung, Videospiele, Traumabewältigung oder die Digitalisierung verlorener Kulturgüter, machen sichtbar, wie stark virtuelle Raumbilder bereits heute in die verschiedensten Lebensbereiche hineinwirken und wie uns diese auch in der Zukunft prägen werden.

Die Ausstellung widmet sich diesem bildtechnologischen Wandel und untersucht die Verschränkung von virtuellen und realen Räumen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der gesellschaftspolitischen Dimension der virtuellen Technologien. Im Spannungsfeld von Illusion und kritischer Distanz reflektieren die KünstlerInnen u.a. deren Anwendung in der Forensik, in der Pornoindustrie und als Bestandteil der modernen Kriegsführung. Denn die Kontrolle über den virtuellen Raum ist zugleich auch immer mit einer Kontrolle über den realen Raum verbunden. Virtualität und Realität sind damit auf das Engste miteinander verschränkt.

Das Eintauchen in illusionäre Welten ist dabei keineswegs geschichtslos. Es gründet vielmehr auf einer langen Tradition. Panoramen, Dioramen oder Stereoskopien verdeutlichen das bereits Jahrhunderte alte Interesse des Menschen an immersiven Medien. Ausgangspunkt der Ausstellung sind daher stereoskopische Aufnahmen, die die Geschichte des Zeppelins von 1900 bis in die 1930er Jahre begleiten.

Auf über 1000 qm Ausstellungsfläche widmen sich international renommierte KünstlerInnen dem Verhältnis von virtuellen und realen Räumen. Die Ausstellung reflektiert dabei die verschiedenen Spielarten von Virtualität. Gemeinsam mit dem Berliner Architekturbüro Kooperative für Darstellungspolitik wurde ein Ausstellungsparcours entwickelt, durch den sich die BesucherInnen bewegen und der die Verschränkung virtueller und realer Welten erfahrbar macht. Die Bandbreite reicht von Simulationen, in der die reale Umwelt künstlich reproduziert wird, über 3D-Videos bis hin zur Virtual Reality, die mit Hilfe von VR-Headsets einen allumfassenden bildlichen Illusionsraum erzeugt.

Die ausgestellten KünstlerInnen eignen sich immersive Bildmedien an und arbeiten eng mit ProgrammiererInnen zusammen, um gemeinsam Technologien weiterzuentwickeln und so die interdisziplinäre Schnittstelle von Kunst und Technik neu zu beleben.

Teilnehmende KünstlerInnen: Halil Altindere, Salome Asega & Reese Donohue & Tongkwai Lulin, Trisha Baga, Banz & Bowinkel, micha cárdenas, Harun Farocki, Forensic Architecture, Sidsel Meineche Hansen, Florian Meisenberg, The Nest Collective