Schöne neue Welten.
Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst
10. November - 08. April 2018

Mit der Einführung von Virtual Reality findet eine Bildrevolution statt, die unsere Wahrnehmung von Bildern und unser Verhältnis zur Wirklichkeit von Grund auf ändert. Virtuelle Räume lassen illusionäre Welten entstehen, durch die man sich bewegen und die man damit unmittelbar erleben kann.

Möglichst abgeschlossen von der Außenwelt tauchen die Betrachterinnen und Betrachter mit allen Sinnesorganen, durch interaktive Elemente sowie den Einsatz körpernaher Apparaturen in die Bilder ein und werden dabei körperlich involviert. Das Publikum wird in der Virtual Reality Teil eines Bildraums, der das gesamte Blickfeld ausfüllt und alternative  Realitätswahrnehmungen eröffnet.

Massenkompatible Technologien wie VR‐Brillen, 3D‐Beamer und Fernseher oder 3D Cardboards finden sich verstärkt im Alltag wieder. Die unterschiedlichen Anwendungsbereiche, wie die 3D unterstützte Operationsüberwachung, in Videospielen, in der Traumabewältigung, bei der Digitalisierung verlorener Kulturgüter und in der Psychotherapie machen sichtbar, wie stark virtuelle Raumbilder bereits heute in die verschiedensten Lebensbereiche hineinwirken und wie uns diese auch in der Zukunft prägen werden.

Die Ausstellung widmet sich diesem bildtechnologischen Wandel und untersucht die Verschränkung von virtuellen und realen Räumen. Das Eintauchen in illusionäre Welten ist dabei keineswegs geschichtslos. Es gründet vielmehr auf einer langen Tradition. Panoramen, Dioramen oder Stereoskopien verdeutlichen das bereits Jahrhunderte alte Interesse des Menschen an immersiven Medien.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind stereoskopische Aufnahmen, die die Geschichte des Zeppelins von 1900 bis in die 1930er Jahre begleiten. Auf über 1000 qm Ausstellungsfläche widmen sich über 20 international renommierte Künstlerinnen und Künstler dem Verhältnis von virtuellen und realen Räumen. Die Ausstellung reflektiert dabei die verschiedenen Spielarten von Virtualität: Von der Augmented Reality, in der die reale Umwelt mit simulierten Elementen erweitert wird, bis hin zur Virtual Reality, die einen allumfassenden bildlichen Illusionsraum erzeugt. Hier verschmelzen  Publikum, Medium und Werk zu einer symbiotischen Einheit, die oftmals eine reflektierende Position nicht möglich macht. Die technische Infrastruktur wird dabei unsichtbar, die Betrachterinnen und Betrachter nehmen die Umgebung als 360‐Grad‐Rundumsicht wahr.

Die Künstlerinnen und Künstler eignen sich immersive Bildmedien an, arbeiten eng mit Programmiererinnen und Programmierern zusammen, um gemeinsam Technologien weiterzuentwickeln und so die interdisziplinäre Schnittstelle von Kunst und Technik neu zu beleben. Im Spannungsfeld von Illusion und kritischer Distanz reflektieren sie ebenso die Anwendung virtueller Technologien in Militär, Medizin und Wissenschaft.  Denn die Kontrolle über den virtuellen Raum ist zugleich auch immer mit einer  Kontrolle über den realen Raum verbunden. Virtualität und Realität sind damit auf das Engste miteinander verschränkt.