Licht und Werkzeug: Hermann Pitz bringt im Zeppelin Museum Friedrichshafen vom 31. Oktober 2003 bis 8. Februar 2004 zwei Pole des künstlerischen Schaffens zusammen: Auf der einen Seite das Werkzeug des Künstlers aus dessen Düsseldorfer Atelier, auf der anderen Seite präsentiert Pitz eigene und fremde Kunstwerke, die am Rande des Immateriellen stehen – Kunstwerke aus Licht, kurz: Lichtkunst.

Die Entstehung von Kunst und die Frage, was Kunst überhaupt ist, steht im Mittelpunkt der Pitz-Ausstellung "Licht aus Bozen – Werkzeug aus Düsseldorf". Und am Anfang jedes Kunstwerks steht das Werkzeug, mit dem der Künstler das Material nach seinen Bedürfnissen bearbeitet: "Ich denke mit den Händen. Werkzeug ist für mich Medium und Grundlage bei der Entstehung eines Kunstwerks", sagt Pitz.
Für die Präsentation in Friedrichshafen hat der Künstler seine gesammelten Werkzeuge in 16 Abteilungen geordnet, auf langen Podesten aufgereiht, für den Katalog fotografiert und säuberlich inventarisiert. Die Abteilungen tragen Bezeichnungen, wie etwa Archivieren, Drechseln, Fotografieren, Messen, Trennen und Zeichnen. Zu jedem Stichwort hat Pitz Angaben zu Material und Beschaffenheit zusammengetragen, die er meist durch anekdotenhafte Erklärungen ergänzt: Wie er zu dem Werkzeug gekommen ist, wie es sich im Gebrauch bewährt, welche Geschichte sich damit verbindet und welche Werke damit entstanden sind.

Die Inventarliste mit ihren Erklärungen findet sich in der Ausstellung in Form von Auszügen aus dem Katalog wieder: Mithilfe des Inventars und der präsentierten Werkzeuge entsteht so etwas wie ein imaginäres Werkverzeichnis des Künstlers Hermann Pitz. Denn obwohl er neben den Werkzeugen nur wenige eigene Kunstwerke zeigt, ist sein Gesamtwerk in Friedrichshafen anwesend: Sein Werkzeug verweist auf seine Kunst, es steht am Anfang seines Schaffens und deutet über sich selbst als bloßes Werkzeug hinaus auf das, was der Künstler damit geschaffen hat. Damit erzählt das inventarisierte Werkzeug auch die Geschichte und Entwicklung des Künstlers.

Diese autobiographische Beschäftigung in Form von Kunst ist kein Neuland für Pitz. Er sieht die Friedrichshafener Ausstellung als Abschluss einer Trilogie, die ihren Anfang 1991 in Rotterdam mit der Ausstellung und dem gleichnamigen Buch "Panorama – Hermann Pitz MCMXCI" nahm. Pitz versteht sich ab diesem Zeitpunkt zunehmend als Künstler, der einen distanzierten Standpunkt zum eigenen Werk einnimmt und damit zum eigenen Biograph wird. 1994 präsentierte Pitz den zweiten Teil seiner Trilogie in Valencia, Spanien, mit der Ausstellung und dem Buch "Libros y Obras / Bücher und Werke". Pitz stellte seine gesamte Bibliothek, Regal für Regal systematisch geordnet und inventarisiert, zur Schau. Auch hier geht das Inventarverzeichnis über rein bibliographische Angaben hinaus, erzählt Geschichten, Erwerbsumstände und macht Angaben zum Inhalt. Und – ähnlich wie in Friedrichshafen – verweisen Ausstellung und Buch auf den Künstler und sein Werk.
Den in Friedrichshafen präsentierten Werkzeugen gegenüber steht in der Ausstellung eine Auswahl konzeptueller Lichtkunstwerke. Pitz zeigt neben eigener Lichtkunst vor allem Werke aus der Sammlung des Museion – Museum Moderner Kunst Bozen. Die Werke von Alberto Biasi, Piero Fogliati, François Morellet, Maurizio Nannucci, Otto Piene und Günther Uecker repräsentieren den anderen Pol der Auseinandersetzung mit Kunst: In ihrer nahezu immateriellen und sphärischen Qualität stehen sie exemplarisch für das "vollendete Kunstwerk". Ein Teil der Lichtkunstwerke aus Bozen wird außerdem parallel in der ständigen Ausstellung des Zeppelin Museums integriert.